Rennbericht zum Triathlonhighlight „Challange Roth“

Triathlon genießt in Deutschland außerordentlich große Beliebtheit. Neben vielen Athleten in der Weltspitze zeigt sich dies auch mit einigen unglaublich guten Wettkämpfen. In den letzten drei Wochen haben wir in Deutschland drei absolute Highlights genießen können. Angefangen mit dem Ironman Frankfurt, gefolgt von der Challange Roth und dem Hamburg Triathlon mit jeweils über 200.000 Zuschauern und vielen tausend Startern.

Große Teile des Org-Teams des Jenaer Triathlons waren 2014 noch selbst in Roth am Start. In  diesem Jahr war es aber auch spannend andere Sportler anzufeuern und das Rennen vom Streckenrand zu beobachten. Ganz besonders freuen wir uns über Christoph Englert aus Jena, der bei seinem 1. Langdistanztriathlon in der Altersklasse AK50 einen hervorragenden 7. Platz belegte. 2014 wurde er in Jena noch als Teil der ältesten Firmenstaffel ausgezeichnet und nur ein Jahr später kommt er nach 10:14h ins Ziel. Unfassbar. Wir gratulieren herzlich! Lest hier seinen Erlebnisbericht. Wir jedenfalls haben wieder Gänsehaut!(Bericht von Prof. Dr. Christoph Englert)

Nach neunmonatiger Vorbereitung habe ich mich letzten Sonntag auf meine erste Langdistanz begeben. Ich hatte mich für Roth entschieden. Laut Freunden soll die Stimmung da eine besondere sein. Das kann ich mittlerweile nur bestätigen. Nachdem man etwa um 4 Uhr aufgestanden ist, begibt man sich zum Schwimmstart. Die Sonne erscheint gerade am Horizont, die Heißluftballons sind noch am Boden, Drohnen schwirren über dem Main-Donau Kanal und die Nationalhymnen der Starter aus 62 Ländern erklingen.

Roth Schwimmen

Wenn einen das nicht schon ergreift, dann der Start. Mit einem Böllerschuss beginnt der Wettbewerb um 6:30 Uhr und man verfolgt die ersten Schwimmzüge der zum Teil Weltklassetriathleten. Nun heißt es warten, in 5-Minuten Abständen geht eine 200er Gruppe nach der anderen ins Wasser. Man ist aufgeregt, gespannt, bewegt. Irgendwann ist man selbst dran, schwimmt zur Startlinie, genießt noch einmal den Blick auf die Szenerie und konzentriert sich dann auf das, was vor einem liegt. Insgesamt 226 Kilometer; werde ich das schaffen? Nach dem Startschuss wird man ruhiger, verhakt sich in das eine oder andere Gefecht und versucht, seinen Rhythmus zu finden. Die Strecke ist schnurgerade, wird nur durch zwei Wenden unterbrochen. Wenn man den Zielbereich wieder erreicht, hört man die Zuschauer und ist euphorisiert. Nachdem Ausstieg schnappt man sich seinen Beutel und wird im Zelt von den allgegenwärtigen Helfern erwartet. Ich muss mich bei den Wechseln nicht hetzen, nutze lieber die kurze Pause zum Durchschnaufen, ehe es auf das Rad geht. Man fährt durch ein Spalier von Menschen ehe man sich auf die Strecke begibt. Das Wetter ist perfekt, sonnig aber nicht zu warm. Denke an die Verpflegung!

christoph Englert

Ich zwinge mich, alle 30 Minuten etwas zu essen und ausreichend zu trinken. Der „Berg der Leiden“ in Greding kommt mir heute viel flacher vor als bei der Probefahrt. Vielleicht liegt es an den Zuschauern. Bei Kilometer 60 beginnt man sich auf den „Solarer Berg“ vorzubereiten. Man hat davon gehört, vielleicht das eine oder andere Youtube Video gesehen. Trotzdem ist man kaum auf das vorbereitet, was einen dort erwartet. Tausende von Menschen brüllen einen den Berg hoch. Es ist eine enge Gasse, man kann nicht überholen, berührt die Zuschauer, ist ergriffen. Es hat einen Anflug von Ekstase.

IRONMANer_Jena_IMG_5833

Gut, dass ich eine Brille aufhabe. Dann die zweite Runde. Etwas Wind kommt auf, ich merke, der Schnitt wird langsamer und langsam melden sich die Beine. Man beginnt an den Marathon zu denken. Werde ich den schaffen? Vorher aber nochmal über den Gredinger und dann Solarer Berg, verbunden mit Schmerz und Euphorie. Dann geht es in Richtung Roth. Die Helfer nehmen einem das Rad ab, diesmal schnappt man sich den blauen Beutel und schlüpft in die Laufschuhe.

Die ersten Meter sind hart, ich finde nach etwa 4 Kilometer meinen Rhythmus. Gerade sind Frommhold und Bracht entgegen gekommen. Die Glücklichen haben es schon hinter sich; man selbst noch mehr als 35 km vor sich. Ich entscheide mich, erstmal bis zum Halbmarathon zu denken und zähle die Kilometer. Es ist heiß geworden, ich muss an jeder Verpflegungsstation trinken und lasse keinen Gartenschlauch aus. Das Tempo ist nicht schnell, aber kontrolliert. Bei Kilometer 26 habe ich einen Krampf im Oberschenkel. Bloß nicht stehenbleiben! Noch etwa 10 Kilometer, dann kann ich das Ziel spüren. Nach 38 km kommt man nach Roth. Wieder viele Zuschauer, die einen antreiben. Die letzten Kilometer läuft man in einem Tunnel, fast in Trance, bis man das Stadion erreicht und über die Ziellinie läuft. Das geht alles sehr schnell und ehe man sich versieht, ist man im Verpflegungsbereich gelandet.

Erst langsam fällt die Anspannung ab und weicht der Euphorie. Es wird einige Zeit dauern, bis man wirklich realisiert hat, was geschehen ist. Klar ist, die Eindrücke, die man an diesem Tag gesammelt hat, werden bleiben, ein Leben lang: anstrengend, überwältigend und außer-gewöhnlich.